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Briefporto

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Der Weg zur Bank ist ja f√ľr meine Mutter heute nicht mehr so einfach. Deshalb bringe ich ihr normalerweise bei jedem meiner Besuche Bargeld von ihrem Konto mit. So auch letztes Mal. Leider hatte ich das Bargeld noch im Portemonnaie, als ich l√§ngst wieder Zuhause in Hamburg war – √§rgerlich, aber kommt vor. ¬†Deshalb wurde die Haushaltsgeld-Problematik in unserem letzten Supermarkt-Bestell-Telefonat¬†zum Thema.

Ich: „Tut mir leid, Mama, ich √§rgere mich total, dass ich vergessen habe, Dir in D√ľsseldorf das Geld zu geben.“

Mama (heute die Gro√üz√ľgigkeit in Person): „Schon gut. Jeder macht mal Fehler.“

Ich habe trotzdem ein schlechtes Gewissen, ich will ja auch nicht, dass meine Eltern bargeldmäßig auf dem Trockenen sitzen.

Mama: „Einhundert Euro hab ich noch, damit kommen wir noch hin.“

Autsch. Ich miserable Tochter.

Ich: „Ich k√∂nnte ja was mit der Post schicken.“

Mama: „Mit der Post? Nein, nein, nein. Das sagt einem doch schon der gesunde Menschenverstand, dass man kein Bargeld mit der Post schickt!“

Ich: „Aber ich komme erst in vier Wochen wieder, so lange reicht das Geld doch nie und nimmer.“

Mama (z√∂gerlich): „Na ja, Du k√∂nntest es ja vielleicht Zwanziger-weise verschicken. Dann ist es ja noch zu verschmerzen, wenn mal ein Umschlag abhanden kommt.“

Wof√ľr wir dann mehrere¬†Wochen br√§uchten, um das Haushaltsgeld von A nach B zu transferieren. Aber, so what.

Ich (erleichtert √ľber diese halbwegs passable L√∂sung): „Okay. So machen wir’s.“

Mama (wenn schon, denn schon): „Und wenn Du sowieso schon zur Post gehst, dann hol mir doch bitte auch gleich zehn¬†Briefmarken f√ľr Standardbriefe und steck sie mit dazu.“

Ich: „Alles, was Du willst, Mama.“

Eigentlich m√ľsste ich wissen, dass es unklug ist, sowas so leicht dahinzusagen.

Mama: „Ich brauche auch noch Briefumschl√§ge. Nimm einfach einen gro√üen Umschlag und steck alles¬†da rein.“

Ich: „Okay… mach ich…“

Nächstes Telefonat. Die Sendung war nicht hundertprozentig zu Ihrer Zufriedenheit.

Mama: „Danke f√ľr die Post. Du hast Dir wirklich M√ľhe gegeben.“

Miserable Tochter, die Fortsetzung.

Ich: „?!? Stimmte damit irgendwas nicht?“

Mama: „Na ja, Du hast Siebzig-Cent-Briefmarken genommen.“

Ich: „Ja, weil Du meintest, Du br√§uchtest Briefmarken f√ľr Standardbriefe. Und die kosten 70 Cent.“

Mama: „Nein, 45 Cent.“

Ich (also bin ich jetzt doof, oder was ist hier los?): „Nein, Mama, heutzutage m√ľssen 70 Cent auf den Briefumschlag. 45-Cent-Briefmarken sind f√ľr Postkarten.“

Mama: „Das kann doch gar nicht sein. Briefe haben IMMER 45 Cent gekostet.“

Es folgt: Miserable Tochter, der unr√ľhmliche H√∂hepunkt.

Ich: „Ja, damals, als Du noch den Weg zum Briefkasten geschafft hast, ¬†haben die vielleicht noch 45 Cent gekostet.“

Kaum habe ich das ausgesprochen, beiße ich mir auch schon auf die Unterlippe. Das war jetzt fies.

Mama (altbekannter Brustton der Emp√∂rung): „Also SO lange ist das ja nun auch noch nicht her!!“

Doch, so lange war das her. Das wei√ü ich deshalb so genau, weil ich schon seit Jahren keine Post mehr von ihr bekommen habe, obwohl sie fr√ľher eine begeisterte Briefeschreiberin gewesen ist.

Ich (aus mir spricht das schlechte Gewissen): „Entschuldige bitte, war nicht so gemeint. Aber sag mal, ich dachte, der Weg zum Briefkasten sei so beschwerlich – wie willst Du das denn in Zukunft schaffen?“

Mama: „Ach, zerbrich Dir mal nicht meinen Kopf, das kriege¬†ich schon hin.“

Ich (hellh√∂rig): „Wem musst Du denn so dringend Briefe schicken? Kann ich das nicht von hier aus f√ľr Dich erledigen?“

…Pause…

Mama (einsilbig): „Nein, kannst Du nicht.“

Ich: „Aha. Geheimnisse?!?“

Mama (lacht gek√ľnstelt): „Ach was. Papperlapapp.“

Jetzt kommt’s raus. W√§hrend ich quasi seit Jahren keine Post mehr von ihr bekomme (auch die fr√ľher obligatorische Geburtstagspostkarte ist zur Seltenheit geworden, aber ich bin ja auch nur die Tochter), scheint sie ausgiebige Brieffreundschaften mit dem gro√üen Unbekannten zu pflegen. So unbekannt ist der, glaube ich, gar nicht. Es gibt da so einen omin√∂sen, fr√ľheren Ex-Kollegen, der es ihr immer angetan hatte, aber da bohre ich lieber nicht nach und √ľbe mich zur Abwechslung mal darin, eine weniger miserable¬†und daf√ľr umso¬†diskretere Tochter zu sein.

Aber man¬†wird ja wohl noch dar√ľber bloggen d√ľrfen.