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Lonari

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Große Aufregung im Hause Mission MamaPapa – mein kleines Blog hier ist mit seinen 70 Facebook-Fans für einen Preis nominiert, und zwar für den Goldenen Blogger 2017, der morgen im Rahmen einer kleinen Feier im Telefónica Basecamp in Berlin verliehen wird.

Ich trete da in der Kategorie „Mama/Papa/Eltern“ gegen zwei ziemlich großartige Blogs an: Christine Finke von mama-arbeitet.de, bei der ich schon länger still mitlese. Und wochenendrebell.de, den ich durch die Nominierung erst kennen gelernt habe. Starke Themen, schöne Texte. Beide Blogs haben ein Vielfaches meiner Reichweite, und schon allein deshalb gucke ich ganz schön ehrfürchtig auf die Konkurrenz und freue mich umso mehr wie ein kleiner Schneekönig: Was für eine Ehre, mit den beiden zusammen nominiert zu sein. Ich rechne mir da nur wenig Chancen aus, aber ich freue mich wie blöd auf einen schönen Abend und auf eine spannende Erfahrung in Berlin.

P.S. Ein Teil der Kategorien wird per Online-Voting vergeben. Ich weiß noch nicht, ob meine Kategorie darunter fällt, und das wird auch erst am Abend selbst bekannt gegeben. Falls das so sein sollte: Das Voting geschieht über den Twitter-Account @goldeneblogger. Falls Ihr für mich abstimmen wollt, dann folgt dem Account und schaut dort mal morgen, am 30.01.2017, ab 19 Uhr dort vorbei.

Nachdem sich mein Vater im März vergangenen Jahres endlich dazu durchgerungen hatte, dem Umzug zuzustimmen, um es sich dann im November anders zu überlegen, sich dann im Dezember aber noch mal Bedenkzeit erbat, warte ich auf das Ende eben dieser. Wenn wir mittwochs die Bestellung erledigen, frage ich meist noch mal ganz dezent nach, ob denn die Entscheidungsfindung nun in Bälde abgeschlossen sei. Nicht, dass ich mir noch große Hoffnungen auf eine konkrete Ansage machen würde, aber manchmal überraschen mich die Antworten dann doch. So wie beim letzten Mal. Da kam sie auch so plötzlich, die Antwort. Zwischen Milchtütenproblematik und Apfelsaftbestandsdiskussion. Mit anderen Worten: Ich war darauf in dieser Sekunde nicht vorbereitet. Es lief ungefähr folgendermaßen ab.

Mama: „Wir brauchen Orangensaft. Insgesamt sechs Mal.“

Ich: „Alles klar.“

Mama: „Und diesmal keine Milch. Um Gottes Willen, keine Milch! Davon ist noch massenhaft da.“

Mir ist zwar schleierhaft, was sie mit „massenhaft“ meint, denn meinen Berechnungen zufolge dürfte es sich allerhöchstens noch um 1 einsame Tüte handeln, aber gut. Ich bin inzwischen weit davon entfernt, die Mengenplanung meiner Mutter infrage zu stellen. Weshalb sollte sie auch innerhalb einer Woche nicht sechs Flaschen Orangensaft, dafür aber nur eine Tüte Milch verbrauchen. Wer bin ich, das zu kritisieren?

Ich: „Okay. Keine Milch. Keine Sorge, ich bestelle keine Milch.“

Papa (zählt derweil im Hintergrund wie immer den Getränkebestand durch): „Apfelsaft ist alle.“

Mama: „Nein, keinen Apfelsaft. Ich habe schon Orangensaft bestellt.“

Ich (kann nun doch nicht umhin, einen vorsichtigen Gegenvorschlag zu machen, begebe mich aber mal wieder auf ganz dünnes Eis): „Du könntest es ja anders aufteilen. Statt sechs Flaschen O-Saft vielleicht nur 3, dafür aber auch 3 Flaschen Apfelsaft.“

Mama (hörbar erzürnt): „Nein.“

Ende der Durchsage.

Mama: „Ich wollte zwischendurch mal fragen, wie geht es eigentlich L?“(meiner Tochter, Anm. d. Red.)

Papa (ungeduldig): „Nein, jetzt machen wir erst mal die Bestellung fertig!“

Läuft ja mal wieder wie am Schnürchen heute.

Mama: „Ich werde mich doch wohl noch nach meinem Enkelkind erkundigen dürfen, oder seit wann ist das verboten?!?“

Papa: „Ja? Na dann könnte ich ja auch mittendrin erzählen, dass wir uns eine neue Variante in Sachen Umzug überlegt haben!“

Ich (aufhorchend): „Ach ja? Welche denn?“

Papa (kapitulierend): „Wir werden uns eine kleine Wohnung in Düsseldorf mieten und eine Ferienwohnung in Hamburg kaufen. So können wir einige Wochen im Jahr an beiden Orten verbringen. Die perfekte Lösung.“

Stille. Denn ich brauche so 5-10 Sekunden, um die Informationen zu verarbeiten. Mir kommt die Lösung nämlich nicht ganz so perfekt vor, wie sie mir angepriesen wird. Mir schießen stattdessen so Tatsachen durch den Kopf wie die Immobilität meiner Eltern oder beispielsweise die Frage, ob das Modell „ein Wohnsitz in Düsseldorf und einer in Hamburg“ finanziell gesehen im Verhältnis zur Rente meiner Eltern nicht eine Spur zu mondän daherkommt. Aber ich will nicht direkt den Spielverderber geben, wo ich schließlich froh sein kann, dass sie offenbar endlich damit angefangen haben, miteinander darüber zu sprechen (und nicht bloß mit mir, am Telefon, weil ich regelmäßig damit herumnerve).

Ich: „Äh. Hm. Ja. Und wie kommt Ihr dann immer von Hamburg nach Düsseldorf und wieder zurück?“

Papa (verständnislos): „Wieso? Du fährst uns, das ist doch wohl klar!“

Ich: „Ach so?“

Papa: „Ja, etwa nicht?“

Ich: „Öhm. Wie oft denn so?“

Papa: „Na, alle paar Wochen höchstens.“

Ich: „…“

Papa: „Was hast du denn nun daran wieder auszusetzen?!“

Ja, echt mal, dem undankbaren Kind kann man es aber auch nie recht machen!

Mal unter uns gesagt: Ich halte das nicht für praktikabel. Und zwar nicht deshalb, weil ich sie nicht fahren würde. Inzwischen würde ich sie auch freiwillig zum Mond und wieder zurück fliegen, wenn das bedeutete, dass ich sie einige Wochen im Jahr in meiner Nähe hätte und mich kümmern könnte. Das Problem, das ich darin sehe: Sie sind zu solchen Fahrten vermutlich gar nicht mehr in der Lage. Viereinhalb Stunden pro Tour – das darf man mit 80 auch nicht unterschätzen. Aber, ich habe ja nunmal vor, sie in allem zu unterstützen, ganz egal, wie ihre Entscheidung ausfällt. Und wenn es das ist, was sie möchten – so sei es.

Ich: „Gar nichts, Papa. Ich bin voll bei Euch.“

Wo auch immer.

Abseits von den vielen, oftmals amüsanten Supermarkt-Telefonaten, die ich mit meinen Eltern so führe, gab es rund um die Frage, wie es mit ihnen weiter gehen soll,  in den letzten Wochen und Monaten viele ernste Momente, in denen wir gemeinsam wichtige Entscheidungen treffen mussten.

Seit zirka anderthalb Jahren organisiere ich den Haushalt meiner Eltern aus der Ferne. Und zwar ziemlich genau seit meine Mutter mit einer Herzinsuffizienz im Krankenhaus gelandet war, ohne mir ein Sterbenswörtchen davon zu verraten.

Damals war ich erst mal sprachlos, und dann bekam ich auch noch die vier verbalen Backpfeifen verpasst.

Ich musste mir plötzlich über alle möglichen Dinge Gedanken machen, über rechtliche Schritte wie die Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung und Bankvollmachten, aber auch ganz grundsätzlich über die Frage, wie lange es noch so weitergehen sollte / konnte wie bisher.

Wie lange würden meine Eltern noch allein zu Hause zurecht kommen?

Kamen sie es überhaupt noch?

Und wer hatte eigentlich das Recht, darüber zu urteilen und zu entscheiden?

Von Beginn an begleitete mich ein Mythos, nämlich der vom Notarzt, der, einmal gerufen, jederzeit dafür sorgen könne, dass meine Eltern im Pflegeheim landen, nachdem er ihre häusliche Umgebung als nicht mehr tragbar eingestuft hätte. Keine schöne Aussicht, vor allem, wenn man Eltern hat, die einem Notfälle gern mal verschweigen. Ich möchte das nächste Mal nur ungern nach zwei Wochen von den Nachbarn erfahren, dass einer von beiden seit 14 Tagen im Heim lebt.

Ich hatte damals ein sehr hilfreiches Gespräch mit der Leiterin eines ortsansässigen Pflegeheims. Für mich stand zwar direkt außer Frage, meine Eltern ins Pflegeheim zu geben, aber ich suchte jemanden, der sich mit dem Thema „Selbstbestimmung im Alter“ auskannte und mir den ein oder anderen guten Ratschlag geben konnte. Denn: Wenn auch das Pflegeheim für uns keine Lösung darstellte, so war doch relativ schnell klar, dass meine Eltern bald zumindest Hilfe in den eigenen vier Wänden benötigen würden. Doch auch das war bis dato ein absolutes Tabu-Thema für sie gewesen.

Ich konnte sie ja noch nicht mal zu simplen Hilfsmitteln wie einem Rollator oder einer Abstützstange am Bett überreden.

Ein fremder Mensch in ihrem Haus geschweige denn das Beantragen einer Pflegestufe – für Mama und Papa undenkbar! Aber für mich lag auf der Hand, dass sie Hilfe brauchten, nur leider half das gute Zureden nichts.

Jedenfalls klärte mich die Heimleiterin darüber auf, dass Ärzte Patienten nicht einfach so einweisen können. Und sie gab mir einen grundsätzlichen Rat, an dem ich mich bis heute festhalte. Sie sagte mir, sie hätte schon oft erlebt, dass Angehörige den Willen der Betroffenen ignorieren und einfach Dinge entscheiden, koste es, was es wolle. Dafür ziehen sie bis vors Betreuungsgericht, um quasi eine Entmündigung zu erreichen. Hat der Betroffene den Angehörigen zuvor freiwillig über die Vorsorgevollmacht als Betreuer bestimmt (was bei meinen Eltern und mir jetzt der Fall ist), kann der Angehörige ein psychologisches Gutachten erstellen lassen, um die Geschäftsfähigkeit des Betroffenen festzustellen. Ist diese nicht mehr gegeben, setzt das Betreuungsgericht den in der Vorsorgevollmacht definierten Betreuer ein, und dieser hat dann in der Regel die Möglichkeit, den Betroffenen in ein Pflegeheim zu geben. Notfalls auch gegen den Willen. In diesem Moment wurde mir erst richtig bewusst, wie viel Verantwortung damit einher geht, dass ich für Mama und Papa laut Vorsorgevollmacht als Betreuerin definiert bin.

Die Heimleiterin riet mir, ihren Willen zu respektieren.

Denn was bringt es, wenn die pflegebedürftige Person zwar perfekt versorgt ist, man sich bis zur quasi-Entmündigung dermaßen entzweit hat, dass man kein Wort mehr miteinander spricht? Ist das ein erstrebenswerter Zustand? Ist es richtig, den Betroffenen endgültig seiner Selbstbestimmung zu berauben, nur, um ihn in guten Händen zu wissen? Sie erzählte mir, sie hätte schon viele Angehörige gesehen, die den harten Weg gegangen, letztlich aber am Zerwürfnis verzweifelt waren. Ich würde das ebenso wenig wegstecken können, klar. Gleichzeitig muss ich aber ständig abwägen: Kann ich ihren Verbleib in den eigenen vier Wänden verantworten, und wenn ja, wie lange noch? Papa schläft vor dem Herd ein und kann jederzeit eine der Treppen hinabfallen, Mama kann das Haus nicht mehr ohne stützende Hilfe verlassen, und keiner von beiden ist dazu in der Lage, Alltagsbesorgungen zu erledigen, was beispielsweise die Medikamentenversorgung erschwert.

Aber reicht das schon aus, um ihnen ungewollte Hilfe – in welcher Form auch immer – aufzuzwingen? Ist es nicht schon eine Frechheit sondergleichen von mir, überhaupt darüber nachzudenken, ob und wann ich den Weg über das Betreuungsgericht gehen soll?

Und wann ist „nicht mehr geschäftsfähig“ eigentlich „nicht mehr geschäftsfähig genug“?

Für mich steht spätestens seit dem Gespräch mit der Heimleiterin fest: Ich handele nicht gegen ihren Willen. Niemals soll es so weit kommen. Das Problem ist nur, dass ich es auch nicht für immer garantieren kann. Vielleicht gibt es in Zukunft einen Moment, in dem ich merke, dass ich es eben doch nicht mehr verantworten kann, nichts zu unternehmen. Das ist aus 500 Kilometern Entfernung aber vergleichsweise schwieriger zu beurteilen als aus der Nachbarschaft. Vielleicht wird es auch einfach der Moment sein, in dem ich vollends damit überfordert bin, ständig runterzufahren. Dahinter verbirgt sich die Frage: Wie weit muss / kann ich mich aufopfern, und ab wann habe ich das Recht, dabei auch an mich zu denken? Ich vermag nicht zu prognostizieren, wann ich an den Punkt komme, an dem ich plötzlich doch den harten Weg gehen würde, um eine dringend notwendige Verbesserung gegen ihren Willen herbeizuführen, und wenn sie nur im Engagement eines Pflegedienstes innerhalb der eigenen vier Wände besteht.

Davon mal abgesehen: Ich bin davon überzeugt, dass sie in meiner Nähe lebend noch viel länger ein selbstbestimmtes Leben in ihrem eigenen Zuhause führen könnten als in Düsseldorf. Deshalb kämpfe ich dafür, sie vom Umzug zu überzeugen.

Apropos „überzeugen“ – genau da liegt der Hase begraben: Sie müssen wollen.

Ein Oxymoron, doch genau so ist es: Wenn ihr Wille fehlt, kann ich nichts machen. Im März wollten sie, aber jetzt hat Papa es sich anders überlegt. Nun bin ich hinsichtlich organisatorischer Dinge zur Passivität verdammt, und mir bleibt bloß die Rolle der zeigefingerhebenden Nörgeltochter, deren Argumente ohnehin die meiste Zeit zum einen Ohr rein und zum anderen Ohr wieder rausgehen. Wenn ich sie nicht noch vom Umzug überzeugen kann, dann hangeln wir uns in Zukunft in Düsseldorf von körperlicher Einschränkung zu körperlicher Einschränkung, für die wir dann jeweils vor Ort Lösungen finden müssen.

Keine sehr erbauliche Aussicht. Deshalb arbeite ich aber noch lange nicht gegen ihren Willen an, gegen ihre Selbstbestimmung oder gegen ihr Recht darauf, eigene Entscheidungen für ihr Leben zu treffen. Wie auch immer das Ganze ausgeht, wo auch immer der Weg einmal endet – solange ich die Wahl habe, bleibe ich lieber die zeigefingerhebende Nörgeltochter, statt zur elendigen Verräterin zu werden, die ihnen alles mögliche aufgezwungen hat. Am Ende zählt nur, wie wir uns gegenseitig in Erinnerung behalten werden. An diesem Ziel orientiere ich mich, vor allem in den dunkleren Momenten, in denen ich damit hadere, wenig tun zu können.

Solange ich die Wahl habe.

Es ist manchmal nicht einfach. Ich will ja nicht jammern, aber doch, es muss auch mal sein – ich hab’s manchmal nicht leicht mit den beiden. Sie es auch nicht mit mir, das gebe ich zu. Die letzten Wochen waren schwierig, und deshalb habe ich auch so wenig gebloggt. Mir fehlten die Worte dafür. Manchmal war ich der Verzweiflung nahe, manchmal wütend, manchmal kurz vor der Resignation. Was ist passiert?

Sagen wir mal so, mein Vater macht dem Blog-Untertitel „Einen alten Baum verpflanzt man nicht. Oder vielleicht doch?“ gerade alle Ehre in Sachen Unentschlossenheit. Er hat es sich nämlich anders überlegt. Das mit dem Umzug. Beziehungsweise, er hat es sich gar nicht überlegt. Im Prinzip weist er jede Überlegung von sich. Er will nicht mehr darüber nachdenken.

Es soll sich jetzt gefälligst nichts mehr ändern.

Und zwar „nichts“ im Sinne von „gar nichts“. Er möchte jetzt weder umziehen noch irgendwas an seiner aktuellen Wohnsituation verbessern, was allerdings dringend nötig wäre. Wenn schon kein Umzug, dann wäre ja wenigstens denkbar, dass wir das fünfstöckige, treppenlastige Haus altersgerecht umbauen lassen. Aber nein. Während meine Mutter durchaus am Umzug festhält, denn es war schon immer ihr Wunschtraum, wieder zurück in den Norden zu gehen, blockiert mein Vater ihren Wunsch durch seinen Widerwillen. Nennt man Pattsituation, glaube ich.

Leider ist meine Mutter auch nicht gerade die Entscheidungsfreudigkeit in Person, was den Umzug betrifft. Erwähnte ich letztens, dass ich keinen Makler rufen darf, solange ihre Augen nicht wieder in Ordnung sind? Ja, erwähnte ich. Hintergrund: Das Dach meines Elternhauses ist kaputt, und der Makler sollte im Hinblick darauf mal die Lage checken und beurteilen, ob man es (angesichts der aktuellen Immobilienpreissituation in Düsseldorf und sowieso) erst reparieren und dann verkaufen sollte oder umgekehrt.

Der Maklertermin war abgemachte Sache, bis Mama mit der Augendiagnose um die Ecke kam und darauf beharrte, es dürfe kein Fremder ins Haus, nicht mal in meinem Beisein, und zwar so lange nicht, bis sie des Sehens wieder vollkommen mächtig sei. Ich seufzte, ich akzeptierte, ich organisierte Termine in der Augenklinik und fand mich damit ab. Immer schön ein Mini-Schrittchen nach dem anderen.

Bis mein Vater sich am Telefon verplapperte.

Ja, es war wieder eins unserer berühmt-berüchtigten Telefonate, vor denen ich immer ein wenig Respekt habe, weil ich nie weiß, welche Überraschung mich diesmal erwartet. So auch neulich. Nachdem wir das übliche Einkaufs-Tamm-Tamm hinter uns gebracht hatten, fragte ich, wie es denn sonst so gehe.

Papa: „Ganz gut. Mir tun nur die Knie weh.“ (Tja, die bösen Treppen, was soll ich sagen?)

Ich: „Nicht schön. Brauchst Du eine Salbe aus der Apotheke? Oder sollen wir einen Arzttermin machen?“

Papa (grummelig, er hasst Ärzte): „Nein, bloß nicht, geht schon. Ist bloß dieses Nasskalte hier im Haus.“

Ich (seufzend): „Ja, weil das Dach kaputt ist. Kein Wunder.“

Papa (überrascht): „Wie, Du weißt davon?“

Ach, Papa. Langsam schlägt sich seine Krankheit leider auch auf das Gedächtnis nieder. Im Vergleich zu anderen Parkinson-Patienten, die ich kenne, ist er zwar geistig noch sehr fit, aber manchmal merkt man es doch. Bei meinem letzten Besuch in Düsseldorf hatten wir gerade erst über das kaputte Dach gesprochen. Oder anders gesagt: Ich war über die Wäschewanne gestolpert, die mitten im Schlafzimmer stand und der Regensammlung diente, und hatte höflich um Aufklärung gebeten.

Ich: „Klar weiß ich das noch, wir haben doch gerade erst darüber gesprochen. Aber Mama will ja niemanden ins Haus lassen, bevor ihre Augen nicht wieder in Ordnung sind.“

Papa: „Wieso? Der Dachdecker war doch gerade erst da?!“

Okay. In diesem Moment wurde mir klar: Mama möchte nicht, dass ich das organisiere, und zwar ganz unabhängig von ihrem eingeschränkten Sehvermögen. Ich hätte es wissen müssen. Mit anderen Worten: Halt Dich da raus, das schaffen wir schon alleine.

Leider lassen sie sich ohne meine Hilfe aber regelmäßig übervorteilen.

Ich sage nur: Der neue Fernseher für ein paar Tausender von Elektro Müller, der Luxusstaubsauger vom Vertreter, oder aber – auch eine schöne, neue Geschichte: die Anschlussfinanzierung, die ihnen angedreht wurde. Zwei Achtzigjährigen für eine lachhafte Restschuld eine Anschlussfinanzierung mit zehnjähriger Zinsbindung und nur einem Prozent Tilgung pro Jahr und natürlich sensationell niedriger Monatsrate anzubieten, finde ich kriminell. Und bei Gelegenheit werde ich auch noch mal ein Hühnchen mit dem „ach so netten Herrn XY“ (Mama) von der großen, gelben Bank rupfen. Die meine Eltern am ausgestreckten Arm verhungern lässt. Statt die Restschuld abzutragen, zahlen sie in den kommenden Jahren quasi sowas wie Miete an die Bank, obwohl sie längst fertig sein könnten. Hätten sie mal ihre Tochter gefragt, die bei einem Baufinanzierer arbeitet und sich damit bestens auskennt. Aber nein! All das zeigt: Sie wollen meine Hilfe nicht. Bei den ganzen Kleinigkeiten wie Fernseher und Co. kann ich das ja noch akzeptieren. Aber bei der Frage, wie und wo sie in Zukunft leben wollen, leider nicht.

Denn ich mache mir Sorgen, große Sorgen.

Es kann jederzeit etwas passieren, und dann bin ich, die einzige Hilfe weit und breit, 500 Kilometer weit weg. Und dann kann ich zusehen, wie ich alles in den Griff bekomme: Ihre Belange und meine, schließlich habe ich auch Familie hier oben im Norden. Abgesehen davon, dass es für mich auch nicht gerade leicht ist, auf Dauer ihren ganzen Alltag aus der Ferne zu organisieren, ihre Medikamentenversorgung, ihre Lebensmitteleinkäufe, Arzttermine und so weiter und so fort. Ich habe das alles im Griff, ich mache das alles gern, und ich mache das alles nun auch schon sehr lange. Es zehrt aber auf Dauer an meinen Kräften, alleine die viele Fahrerei ist wirklich anstrengend. So kann es nicht ewig weiter gehen. Deshalb war ich sehr froh über ihre Entscheidung im letzten Frühjahr, den Umzug zu wagen. Und sehr desillusioniert, als ich merkte, dass sie es eigentlich gar nicht wollen, weil sie einfach nicht mitziehen.

Das machen meine Nerven nicht mit.

Jedenfalls nicht lange. Nach der Sache mit dem heimlich bestellten Dachdecker hatte ich genug. Es wurde noch mal Tacheles geredet. Ganz in Ruhe, ohne emotional zu werden, ganz sachlich und aufs Wesentliche fokussiert – worauf ich immer noch ein bisschen stolz bin, denn in der Regel ist mir bei diesen Gesprächen immer zum Heulen zumute, was selten zu irgendwas Gutem führt.

Ich habe ihnen also ganz ruhig erklärt, dass ich es leid bin. Sie haben im vergangenen März entschieden, umziehen zu wollen, torpedieren aber seither alle meine Organisationsversuche mit allen möglichen Mitteln. Wir haben zwar diverse Vorsorgevollmachten notariell abgeschlossen, aber so lange sie im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte sind, kann ich ohne ihre Zustimmung nicht mal einen Stromvertrag kündigen.

Das ist ja an sich auch gut so. Aber sie können sich nicht für einen Umzug entscheiden, meine Hilfe zwar grundsätzlich annehmen, mir aber dann bei jedem Kinkerlitzchen Steine in den Weg legen, indem sie sich allerlei Ausreden einfallen lassen und Termine mit fadenscheiniger Begründung verschieben oder hinterrücks einen Dachdecker engagieren, obwohl wir besprochen hatten, erst mal einen Fachmann für Hausverkäufe beurteilen zu lassen, ob das überhaupt sinnvoll ist.

Also habe ich ihnen in diesem Gespräch klar gemacht, dass der Wille zum Umzug von ihnen ausgehen muss, wenn überhaupt. Sie müssen eine Entscheidung treffen und dann dahinter stehen. Ganz egal, wie sie ausfällt. Und sie können mir Bescheid sagen, wenn das der Fall ist. Vorher mache ich nichts mehr. Nichts im Sinne von „gar nichts“. Seitdem warte ich und hake bei jedem Telefonat nach. Mit bisher mauem Erfolg und dem Resultat, dass Papa sich jetzt am Telefon verdächtig oft viel tauber stellt, als er eigentlich ist. Aber ich bleibe hartnäckig.

Fun Fact am Rande: „Und, wie läuft es mit dem Block, Kind?“

Meine Eltern wissen, dass ich hier über unsere gemeinsamen – wie soll ich es ausdrücken – Erlebnisse schreibe. Mit knapp 80 haben sie zwar nur eine ganz vage Vorstellung davon, was ein Blog ist und wie man es ausspricht, aber ich konnte ihnen begreiflich machen, dass hier Fremde mitlesen und was das bedeutet. Sie sind einverstanden, haben vollstes Vertrauen, dass ich sie nicht bloßstelle (ich bemühe mich), und gleichzeitig sind sie ein bisschen stolz darauf.

Fragt mich meine Mutter neulich: „Und, wie läuft es mit Deinem Block?“

Ich: „Nunja. Am Rand steht: ‚Zwei Achtzigjährige ziehen um.‘ Wenn Ihr so weiter macht, werde ich es wohl bald schließen müssen.“

Mama: „Kommt gar nicht infrage. Dann ziehen wir eben um.“

Die Hoffnung lebt.

Hier pfeift gerade gar nichts von Dächern. In den letzten vier Wochen war es hier still, weil nicht viel passiert ist. Der Umzug stagniert, leider, weil meine Mutter der Ansicht ist, es dürfe nicht weiter gehen, so lange sie ihre Augen-OP noch nicht hatte. Denn sie sieht ja nicht so gut. Ich kann unmöglich den Makler ins Haus lassen, wenn sie nur die Hälfte sieht. Dass ich alles sehe, ist irrelevant. Das muss ich respektieren, auch, wenn’s schwer fällt.

Immerhin sind wir beim Thema „Augen“ einen guten Schritt weiter gekommen, sie war nämlich beim Arzt, um sich anzuhören, was nun zu tun sei. Da ich leider nicht mitgehen konnte, musste ich mich im Nachhinein zum Pudelkern durchfragen.

Ich: „Find ich super, Mama, dass Du da warst.“ (Und nicht gekniffen hast, wie ich schon befürchtete, was nicht so super gewesen wäre, da Facharzttermine rar sind und der nächste vielleicht 2017 erst hätte stattfinden können)

Mama (ganz relaxed): „Jaja, das war ja nun keine große Sache.“

Ich: „Und, was hat er gesagt?“

Mama (kurz und knapp): „Muss operiert werden.“

Ich: „Und wo?“

Mama: „Uniklinik. Augenklinik.“

Ich: „Aha. Hast Du schon eine Überweisung dafür bekommen?“

Mama: „Nein.“

Ich: „Warum nicht?“

Mama: „Weil das Quartal bald zu Ende ist. Die Überweisung brauche ich fürs neue Quartal. Dann muss ich noch mal hin.“

Ich (skeptisch): „Aber Überweisungen gelten doch normalerweise quartalsübergreifend?“

Mama: „In diesem Fall nicht.“

Ich (stirnrunzelnd): „Das wäre mir neu, aber okay.“ (Ich vermute eine Zeithinauszögerungstaktik dahinter, will aber nicht ungerecht sein, denn vielleicht stimmt es ja tatsächlich)

Mama: „Ich muss auf jeden Fall deshalb noch mal zum Augenarzt zuerst, im kommenden Quartal.“

Ich: „Aber die kann er doch dann sicher auch per Post schicken. Am besten, ich rufe da mal an und frage nach, ob das wirklich nötig ist, so lange zu warten. Vielleicht hast Du da was falsch verstanden. Wie ist denn seine Telefonnummer?“

Mama (murmelt die exakte Nummer leise vor sich hin): „0211-12345678.“ Und dann lauter an mich gewandt: „Die weiß ich nicht, da muss ich jetzt erst nach oben gehen, um die zu holen.“

Ich (des Hörens mächtig, habe die gemurmelte Nummer natürlich schnell mitgeschrieben): „Ich kann die auch googeln. Wie heißt er denn?“

Mama: „Hab ich vergessen. Irgendein komplizierter, ausländischer Name.“

Ich: „Du willst also nicht, dass ich da anrufe.“

Mama: „Das hab ich doch gar nicht gesagt. Ich komme nur ad hoc nicht auf die Telefonnummer. Kein Mensch kann sich alle Telefonnummern merken.“

Sehr unglaubwürdig. Doch, liebe Mama, Du kannst das. Konntest Du schon immer. Manchmal vergisst Du nur, dass ich Dich gut genug kenne, um das zu wissen. Zumal ich diese merkwürdige Eigenschaft, Zahlen besser zu behalten als alles andere, von Dir geerbt habe.

Ich: „Na gut. Ich kenne zwar weder seinen Namen, noch seine Telefonnummer,“ (hüstel), „aber ich finde das schon heraus. So viele Augenärzte gibt’s ja nicht bei Euch in der Nähe.“

Mama: „Wie Du meinst.“

Sie hat Angst und möchte die OP hinauszögern. Deshalb will sie nicht, dass ich da anrufe, um alles zu beschleunigen. Ich verstehe sie ja, aber es hilft ja alles nichts. Sie sieht schlecht, und das ist ja kein Zustand. Wer irgendwann wieder alleine auf die Straße gehen möchte, muss sehen. Ich begleite sie ja auch und versuche, ihr die Ängste zu nehmen. Eine grauer-Star-OP dauert nur wenige Minuten und kann in der Regel ambulant durchgeführt werden. Hinterher sieht sie wieder wie ein junges Mädchen. Zuerst gilt es, den Widerstand zu durchbrechen. Auch, wenn es nur zu ihrem Besten ist, die Gängel-Rolle gefällt mir gar nicht.

P.S. Natürlich konnte ich die gemurmelte Nummer googeln und sie exakt dem Augenarzt zuordnen. Ätsch.

 

Der Weg zur Bank ist ja für meine Mutter heute nicht mehr so einfach. Deshalb bringe ich ihr normalerweise bei jedem meiner Besuche Bargeld von ihrem Konto mit. So auch letztes Mal. Leider hatte ich das Bargeld noch im Portemonnaie, als ich längst wieder Zuhause in Hamburg war – ärgerlich, aber kommt vor.  Deshalb wurde die Haushaltsgeld-Problematik in unserem letzten Supermarkt-Bestell-Telefonat zum Thema.

Ich: „Tut mir leid, Mama, ich ärgere mich total, dass ich vergessen habe, Dir in Düsseldorf das Geld zu geben.“

Mama (heute die Großzügigkeit in Person): „Schon gut. Jeder macht mal Fehler.“

Ich habe trotzdem ein schlechtes Gewissen, ich will ja auch nicht, dass meine Eltern bargeldmäßig auf dem Trockenen sitzen.

Mama: „Einhundert Euro hab ich noch, damit kommen wir noch hin.“

Autsch. Ich miserable Tochter.

Ich: „Ich könnte ja was mit der Post schicken.“

Mama: „Mit der Post? Nein, nein, nein. Das sagt einem doch schon der gesunde Menschenverstand, dass man kein Bargeld mit der Post schickt!“

Ich: „Aber ich komme erst in vier Wochen wieder, so lange reicht das Geld doch nie und nimmer.“

Mama (zögerlich): „Na ja, Du könntest es ja vielleicht Zwanziger-weise verschicken. Dann ist es ja noch zu verschmerzen, wenn mal ein Umschlag abhanden kommt.“

Wofür wir dann mehrere Wochen bräuchten, um das Haushaltsgeld von A nach B zu transferieren. Aber, so what.

Ich (erleichtert über diese halbwegs passable Lösung): „Okay. So machen wir’s.“

Mama (wenn schon, denn schon): „Und wenn Du sowieso schon zur Post gehst, dann hol mir doch bitte auch gleich zehn Briefmarken für Standardbriefe und steck sie mit dazu.“

Ich: „Alles, was Du willst, Mama.“

Eigentlich müsste ich wissen, dass es unklug ist, sowas so leicht dahinzusagen.

Mama: „Ich brauche auch noch Briefumschläge. Nimm einfach einen großen Umschlag und steck alles da rein.“

Ich: „Okay… mach ich…“

Nächstes Telefonat. Die Sendung war nicht hundertprozentig zu Ihrer Zufriedenheit.

Mama: „Danke für die Post. Du hast Dir wirklich Mühe gegeben.“

Miserable Tochter, die Fortsetzung.

Ich: „?!? Stimmte damit irgendwas nicht?“

Mama: „Na ja, Du hast Siebzig-Cent-Briefmarken genommen.“

Ich: „Ja, weil Du meintest, Du bräuchtest Briefmarken für Standardbriefe. Und die kosten 70 Cent.“

Mama: „Nein, 45 Cent.“

Ich (also bin ich jetzt doof, oder was ist hier los?): „Nein, Mama, heutzutage müssen 70 Cent auf den Briefumschlag. 45-Cent-Briefmarken sind für Postkarten.“

Mama: „Das kann doch gar nicht sein. Briefe haben IMMER 45 Cent gekostet.“

Es folgt: Miserable Tochter, der unrühmliche Höhepunkt.

Ich: „Ja, damals, als Du noch den Weg zum Briefkasten geschafft hast,  haben die vielleicht noch 45 Cent gekostet.“

Kaum habe ich das ausgesprochen, beiße ich mir auch schon auf die Unterlippe. Das war jetzt fies.

Mama (altbekannter Brustton der Empörung): „Also SO lange ist das ja nun auch noch nicht her!!“

Doch, so lange war das her. Das weiß ich deshalb so genau, weil ich schon seit Jahren keine Post mehr von ihr bekommen habe, obwohl sie früher eine begeisterte Briefeschreiberin gewesen ist.

Ich (aus mir spricht das schlechte Gewissen): „Entschuldige bitte, war nicht so gemeint. Aber sag mal, ich dachte, der Weg zum Briefkasten sei so beschwerlich – wie willst Du das denn in Zukunft schaffen?“

Mama: „Ach, zerbrich Dir mal nicht meinen Kopf, das kriege ich schon hin.“

Ich (hellhörig): „Wem musst Du denn so dringend Briefe schicken? Kann ich das nicht von hier aus für Dich erledigen?“

…Pause…

Mama (einsilbig): „Nein, kannst Du nicht.“

Ich: „Aha. Geheimnisse?!?“

Mama (lacht gekünstelt): „Ach was. Papperlapapp.“

Jetzt kommt’s raus. Während ich quasi seit Jahren keine Post mehr von ihr bekomme (auch die früher obligatorische Geburtstagspostkarte ist zur Seltenheit geworden, aber ich bin ja auch nur die Tochter), scheint sie ausgiebige Brieffreundschaften mit dem großen Unbekannten zu pflegen. So unbekannt ist der, glaube ich, gar nicht. Es gibt da so einen ominösen, früheren Ex-Kollegen, der es ihr immer angetan hatte, aber da bohre ich lieber nicht nach und übe mich zur Abwechslung mal darin, eine weniger miserable und dafür umso diskretere Tochter zu sein.

Aber man wird ja wohl noch darüber bloggen dürfen.

Seit meinem letzten Besuch in Düsseldorf Anfang August ist meine Stimmung ein wenig getrübt. Grund: Meine Eltern strapazieren meine Geduld. Meine Eltern sind nicht gerade die entscheidungsfreudigsten, pragmatischsten Typen, beide nicht. Wir kommen nicht so richtig vorwärts, was mir gar nicht behagt. Ich würde jetzt nämlich am liebsten die Ärmel hochkrempeln, Umzugsunternehmen bestellen, einen Makler anheuern, das Haus weiter entrümpeln, die neue Wohnung anmieten und den Umzug über die Bühne bringen. Aber alles, was ich darf, ist den Makler anheuern.

Besser als gar nichts, aber nicht gerade ein Quantensprung.

Denn da waren sie wieder, meine altbekannten Probleme. Mein Tempo – welches auch immer – ist nicht das Tempo, das meinen Eltern gefällt. Dem einen geht es viel zu schnell (Papa: „Also, das mit dem Umzug kann ich mir in den nächsten drei Jahren vorstellen!“), der anderen viel zu langsam (Mama: „Ich möchte lieber heute als morgen raus aus diesem Loch“ – damit meint sie vor allem ihren Stadtteil, weniger das Haus).

Diese Ambivalenz macht das ganze Vorhaben nicht gerade leichter. Grundsätzlich ist es ja so: Ohne die Unterschriften und ohne die Zustimmung meiner Eltern darf ich aktuell rein gar nichts.

Ja, wir haben letztes Jahr die Vorsorgevollmachten unter Dach und Fach gebracht. Das bringt mir im Augenblick aber noch nüscht. Denn in den Vorsorgevollmachten ist lediglich definiert, dass ich für sie entscheiden darf, sobald sie selbst nicht mehr dazu in der Lage sind. Das ist aber noch nicht der Fall. Sie sind sehr wohl noch dazu in der Lage, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen, und zwar jeder für sich selbst. Eigentlich ja schön für sie, aber mir macht gerade das im Moment das Leben schwer, vor allem, weil der eine was anderes will als die andere. Eigentlich müssten sie sich erst mal einigen. Das wird aber nix, weil sie das Thema untereinander erst gar nicht ansprechen. Das macht eine Einigung ungleich schwieriger. Denn selbst bei meiner Mutter, die unbedingt zurück in den Norden will, machen sich desöfteren Zweifel breit, ob sie das alles überhaupt noch schaffen kann. Und mein Vater wirft dann zum passenden Zeitpunkt ein:

Einen alten Baum verpflanzt man nicht.

Schon macht meine Mutter wieder einen halben Rückzieher, und dann bin ich wieder gefragt, beziehungsweise meine Überzeugungskraft. Ich hatte in letzter Zeit sehr viele Momente, in denen ich dachte: „NA DANN LASSEN WIR ES EBEN!!!“, aber das ist auch keine Alternative. Ich muss da durch, mit ihnen. Wir müssen da durch, zusammen. Irgendwie. Ich kann sie nicht alleine lassen, dort unten. Umgekehrt wollen sie mir nicht zur Last fallen, und generell passt es ihnen gar nicht, dass sie mich ab und zu doch um Hilfe bitten müssen, wie beispielsweise beim Einkauf. Ihre Hilfsbedürftigkeit geht allerdings inzwischen schon weit darüber hinaus.

Was meine Eltern nicht mehr können:

  • Das Haus verlassen: Am Eingang ist kein Geländer installiert, und ohne ein solches wird es leider schwierig, aber eines anzubringen. Warum bringen wir keins an? Große Empörung: „Wir gehören doch nicht zum alten Eisen!!“
  • Aus Punkt eins ergibt sich, dass alles, was außenhäusig stattfindet, zum Abenteuer wird.
    • Beispielsweise einkaufen: Sie schaffen den Weg nicht mehr, der nächste Supermarkt liegt zirka einen Kilometer Luftlinie entfernt. Warum schaffen wir keinen Rollator an? Antwort: „Wir sind doch noch keine Greise!“
    • Arzttermine machen: Meine Mutter ist der Meinung, eine Herzinsuffizienz sei ein Klacks und bedürfe keiner weiteren Beobachtung, mein Vater kann seinen Neurologen nicht ausstehen, was der Frequenz seiner Arztbesuche nicht gerade zuträglich ist, und abgesehen davon kommt er nicht mehr alleine aus dem Taxi heraus. Darüber spricht man aber selbstverständlich nicht so gerne.
    • Medikamente besorgen: Ich time meine Besuche dementsprechend.
    • Bargeld besorgen: Auch das erledige, wenn ich vor Ort bin.
    • Bankgeschäfte erledigen: Mache ich online für sie.
  • Innerhäusig läuft es aber auch nicht besser:
    • Kochen im Sinne von „Mahlzeiten planen, dementsprechend den Einkauf planen, Mahlzeiten zubereiten“: Der ganze Vorgang überfordert sie, sie machen sich seit Wochen nur noch Dosensuppen warm, Würstchen heiß oder rufen bei der Pommessbude gegenüber an. Die Essen-Auf-Rädern-Dienste fand meine Mutter allesamt kulinarisch unbefriedigend und zu teuer. Was ist auch schon so ein matschiges Rindergulasch gegen so eine richtig schöne Portion Pommer mit Mayo?
    • Kochen im Sinne von „Herd einschalten und Herd wieder ausschalten“: Mein Vater ist neulich vor den Kartoffeln eingeschlafen.
    • Den Haushalt in Schuss halten: Sie kaufen zwar noch mit Begeisterung sauteure Staubsauger, die Anwendung strengt sie aber körperlich viel zu sehr an.
    • Die Treppen im Haus bewältigen: 5 Stockwerke, jedes Zimmer liegt in einem anderen.
    • Den Rasen mähen: Das machen netterweise die Nachbarn.

… und das sind nur die Punkte, die mir jetzt spontan einfallen.

Trotzdem läuft es ja noch. Irgendwie.

Manchmal muss ich mich schon wundern, wie sie es trotz aller Widrigkeiten noch hinkriegen, sich von Woche zu Woche zu hangeln. Was auch dazu beiträgt, dass sie der Meinung sind, es liefe doch an und für sich wie am Schnürchen. Die Einsicht, dass sie mich in ihrer Nähe benötigen, ist trotz allem, was schon passiert ist, noch nicht wirklich gesackt. Was zur Folge hat, dass ich bei jedem Anruf mit unbekannter, Düsseldorfer Nummer zusammen zucke. Denn natürlich mache ich mir jeden Tag Sorgen. Aber ganz offensichtlich müssen sie erst wieder maikäfermäßig auf dem Rücken liegen, bevor sie mir zustimmen, wenn ich sage, dass wir den Umzug langsam mal ein weeeenig beschleunigen sollten. Ihr Motto dabei lautet:

Nerv uns nicht, wir wollen ja umziehen – aber doch nicht jetzt!

Im Augenblick weiß ich nicht, was noch passieren muss, damit sie ihre Einstellung ändern. Dass ich jetzt zumindest mal den Makler engagieren darf, ist einzig und allein ein Zugeständnis daran, dass sie ja vor einigen Wochen angekündigt hatten, mitkommen zu wollen. Aber irgendwas sagt mir, dass sie hoffen, er würde das Haus als unverkäuflich deklarieren.

Meine Mutter sieht nicht mehr so gut. Mit 78 ja auch nichts so Besonderes. Ich bin 37 und habe auch schon -3 Dioptrien. Will gar nicht wissen, wie schlecht ich mit 78 sehen werde. Im Gegensatz zu meiner Mutter trage ich seit Feststehen meiner Sehschwäche eine Brille. Meine Mutter ist der Meinung, eine Brille sei keine besonders ästhetische Angelegenheit, weshalb sie das Tragen einer solchen verweigert. Da sie blöderweise ohne Brille nicht mehr lesen kann, musste sie sich vor ein paar Jahren wohl oder übel irgendwann auf eine einlassen. Die setzt sie jedoch nur zum Lesen auf. Ein Jammer, denn draußen auf der Straße beispielsweise könnte sie die Brille auch ganz prima brauchen, um beispielsweise näherkommende Autos zu erkennen.

Wenn meine Mutter in ihrem beschaulichen, Düsseldorfer Vorort auf die Straße geht, müsste eigentlich stadtteilweit eine Alarmsirene für alle anderen Verkehrsteilnehmer ertönen.

Aber alles Reden bringt nichts. Sie braucht ja auch keinen Rollator, obwohl ihr die Fortbewegung ohne Hilfsmittel sehr schwer fällt.

Ich habe irgendwann eingesehen, dass nicht ich es bin, die zu irgendeiner Einsicht kommen muss, sondern sie. Und dass meine Worte uns in dieser Hinsicht kein Stück weiter bringen. Hören und fühlen, sage ich nur. Wer nicht will, der muss.

Gelegentlich fällt ihr das Thema jedoch auf die Füße. Ich bewundere sie aber auch dafür, mit wie viel Starrsinnigkeit sie selbst dann noch die Konsequenzen ihrer Passivität wegignoriert. Wie neulich am Telefon.

Ich: „Hallo Mama, ich bin’s! Wie geht’s Euch?“

Mama: „Ganz gut. Ich sehe nur nichts mehr.“

Ich (erschrocken): „Wie – Du siehst nichts mehr?“

Mama (relativierend): „Na ja, ich sehe schon noch was. Aber ich kann kaum noch lesen.“

Ich (erleichtert, aber alarmiert): „Okayyyy… das ist ja nicht so toll. Wie wäre es, wenn Du das mal vom Augenarzt untersuchen lässt.“

Mama: „Jaja. Muss wohl gelasert werden.“

Ich: „Wie lautet denn die Diagnose?“

Mama: „Die Linsen sind ein bisschen trüb.“

Ich: „Also…mit anderen Worten…grauer Star?“

Schweigen.

Ich: „Seit wann weißt Du das denn?“

Mama: „Ach, erst seit anderthalb Jahren.“

Ich: „WAS? Und das sagst Du mir erst jetzt?!“

Telefonate mit meiner Mutter. Immer wieder schön. Hat was von Wundertüte. Leider weiß man nie, ob die darin enthaltene Überraschung positiver oder negativer Natur ist.

Mama: „Ach, das bisschen. Ist ja nun auch kein Weltuntergang.“

Ich: „Ja, aber wenn du nichts mehr siehst, ich meine – das Lasern ist doch wohl keine große Sache!“

Mama: „Ich habe aber Angst.“

Ich: „Das brauchst Du nicht. Die machen sowas heutzutage sogar ambulant. Ich komme mit, halte Händchen und bringe Dich hinterher nach Hause.

Mama: „Nein, das brauchst Du nicht. Das macht Papa schon.“

Ich: „Mama, bist Du sicher, dass Papa den Heimweg vom Augenarzt noch findet?“

Mama (felsenfest): „Aber natürlich.“

Dazu muss man wissen: Sie ist allerdings auch der Meinung, er könne noch alleine den Müll rausbringen, obwohl er die Treppenstufen vor dem Haus nicht mehr bewältigt. Die Nachbarn bringen den Müll weg. Aber wen interessieren schon diese unwichtigen Details.

Ich: „Dir ist klar, dass Du nach dem Eingriff erst mal nur verschwommen siehst, und dass Dich jemand stützen und mit dem Auto nach Hause bringen sollte? Ich sehe Euch schon orientierungslos durch Düsseldorf tapern, Du halb blind und Papa hilflos.“

Mama: „Nun mach das mal nicht schlimmer, als es ist. Das schaffen wir noch sehr gut alleine.“

Ich (muss die Chance nutzen und auf den Sinn und Zweck des Umzugs anspielen): „Das würde ich Euch ja wünschen, aber ich habe da so meine Zweifel. Für mich ist das mal wieder ein sehr gutes Beispiel dafür, wie dringend erforderlich Euer Umzug in meine Nähe ist.“

Mama: „Jetzt fang nicht wieder davon an. Ich habe gerade schon genug Sorgen.“

Thema abgebügelt.

Erwähnte ich schon, dass es mit der ganzen Umzugsgeschichte ein wenig schleppend läuft? An mir liegt das nicht.

Ich werde am Tag ihres Augenarzttermins also bangend auf mein Handy gucken und hoffen, dass mich im Anschluss keine unbekannte Düsseldorfer Nummer anruft und mir irgendein Fremder mitteilt, meine Eltern seien irgendwo orientierungslos herumirrend aufgefunden worden. Oder ich fahre einfach hin und begleite sie gegen ihren Willen. Ich muss noch mit mir selbst ausknobeln, wie ich mich verhalten soll. Vielleicht werfe ich eine Münze und hoffe, dass mich die Entscheidung – wie auch immer sie ausfällt – am Ende nicht um den Schlaf bringt. So wie neulich, als meinen Eltern mal wieder die Medikamente ausgingen, ich aber just zu diesem Zeitpunkt nicht kommen konnte, weil mein Kind Geburtstag feierte.

Meine Mutter beruhigte mich, sie würde den Weg zur Apotheke mit Links alleine schaffen, um dann auf dem Weg böse zu stürzen. An den Beinschmerzen laboriert sie heute noch herum, und mein schlechtes Gewissen erinnert mich ständig daran. Manchmal machen sie es mir auch nicht leicht.

Diese Frage habe ich jetzt schon öfter gestellt bekommen, deshalb möchte ich sie an dieser Stelle kurz beantworten. Ganz einfach: Weil es meine Eltern sind. Sie sind mit fast 80 zwar im Oma-Opa-Alter und könnten vom Altersunterschied her durchaus meine Großeltern sein. Sind sie aber nunmal nicht. Zwei Gedanken dazu:

  1. Gefühl versus Realität:
    Manchmal fühlt es sich trotzdem so an, als wären sie meine Großeltern. Aber nur so lange, bis meine Mutter die typischen Mutter-Sprüche auspackt und mein Vater bei Themen, die ihm nicht passen, die Respektsperson gibt. Das unterscheidet sie ungemein von Großeltern.
  2. Der Altersunterschied:
    Zwischen uns liegen 41 bzw. 42 Jahre Altersunterschied. Im Jahre 1979 war das so ungewöhnlich, dass meine richtige Großmutter meine Mutter damals für verrückt erklärte, als sie offenbarte, mit 41 schwanger zu sein. Heute ist es normal, mit Ende 30 oder Anfang 40 noch Mutter zu werden. Es wächst also jetzt gerade eine ganze Generation heran, die ebenfalls mit Ende 20 / Mitte 30 mit ihren Eltern vor denselben Herausforderungen stehen wird wie ich jetzt gerade. Irgendwann wird also niemand mehr die obige Frage stellen, weil genau das normal sein wird. Weil ein Altersunterschied von 40 Jahren und mehr zwischen Eltern und Kindern keine Ausnahme mehr, sondern die Regel ist.

Nun kann man noch darüber streiten, ob Vierzigjährige in den Siebzigern körperlich und geistig schon wesentlich ältere Personen waren als heute. Getreu dem Motto: „Vierzig ist heute ja das neue Dreißig“.

Weiß ich nicht. Ich glaube, da machen sich die heute Vierzigjährigen was vor. Ich gehe auch stramm auf die 40 zu. 40 ist 40, rein physisch gesehen, damals wie heute, finde ich. Ich bin selbst mit 29 Mutter geworden und fand das schon ziemlich spät. Ich fühle mich auch jetzt noch fit genug dazu, aber aus meiner eigenen Erfahrung mit meinen späten Eltern heraus finde ich, dass man Kindern damit nicht unbedingt einen Gefallen tut.

Meine alten Eltern bescherten mir eine ziemlich schöne Kindheit, sie waren sehr liebevoll, und  vielleicht sogar aufgrund ihrer Lebenserfahrung und ihrer finanziellen Absicherung (beide mit über 20 Jahren Berufserfahrung ausgestattet, als ich kam) entspannter als jüngere Eltern, die ich kannte.

Aber eines ist leider genauso wahr: Aufgrund des Altersunterschiedes tangieren sich unsere Lebenswelten seit geraumer Zeit kaum noch. Zudem sind meine Eltern heute so gebrechlich, dass sie von ihrem Enkelkind kaum noch etwas mitkriegen. Geschweige denn von meinem Leben. Was oft einfach unsagbar schade ist.

Gute Nachrichten. Die Nachbarn meiner Eltern haben gerade in Rekordzeit ihr baugleiches Haus für ein hübsches Sümmchen verkauft. Da uns das ja auch demnächst bevorsteht, ist das natürlich ein ganz guter Stimmungs-Seismograph in Sachen „Was ist möglich?“ und „Wie schnell?“

Wöchentliches Einkaufs-Telefonat. Meine Mutter hat mir abseits des Bestell-Dialogs gerade davon berichtet.

Mama (in Papas Richtung): „Siehst Du, es geht also. Das KÖNNTEN wir auch. Genauso.“

Papa (bockig aus dem Hintergrund): „Ja, auf Wiedersehen, mach’s gut. Hau doch ab. Ich bleib hier.“

Mama (zu mir, ein Hauch Bitterkeit schwingt mit): „Er wiegelt ab. Papa will das nicht hören.“

Ja, im Abwiegeln ist Papa Meister. Manchmal vergisst Schrägstrich verdrängt er einfach, dass er vor einigen Wochen sein Okay und damit den Startschuss für das Umzugsprojekt gegeben hat. Nicht zuletzt deshalb halte ich das Ganze für ein Wettrennen gegen die Zeit, und wenn wir Pech haben, hat er tatsächlich alles vergessen, wenn es tatsächlich soweit ist.

Verglichen mit meiner Mutter ist mein Vater allerdings ein blutiger Anfänger in den Disziplinen Abwiegeln und Unterdenteppichkehren. Meine Mutter beherrscht Ablenkungsmanöver in Perfektion. Besonders gewieft scheint sie mir im Teilgebiet „Themenwechsel“ zu sein. Hier ein schönes Paradebeispiel.

Ich (im weiteren Verlauf desselben Telefonats): „Übrigens habe ich mir gestern eine der noch leerstehenden Wohnungen in unserem Gebäudekomplex angesehen. Die würde von den Begebenheiten her sehr gut passen.“

Mama (Achtung, erster Themenwechsel): „Hmmm. Wie ist denn Eure neue Wohnung? Fühlt Ihr Euch wohl?“

Ich (mir ist klar, dass sie nur ablenken will, aber ich werde den Faden schon nicht verlieren): „Sehr schön, wir haben uns richtig gut dort eingelebt.“

Mama (Themenwechsel Fortsetzung): „Habt Ihr eigentlich ein Gäste-WC?“

Ich (tief einatmend): „Nein. Das finden wir aber auch nicht so schlimm.“

Mama (ad hoc Oberwasser):

Aha! Das ist aber ganz wichtig. Man braucht unbedingt zwei Toiletten, gerade mit Kind. Zwei Toiletten sind das Nonplusultra.

Ich: „Wir hatten ja die Wahl zwischen einer Wohnung mit zwei Toiletten und schattigem Westbalkon und einer Wohnung mit nur einer Toilette, aber Südbalkon. Zwei Klos versus Sonne – Sonne war uns halt irgendwie wichtiger, Mama.“

Mama: „Nein! Getrennte Toiletten, das ist es, was zählt!“

Ich (Themenwechsel kann ich auch): „Okay, von mir aus. Aber kommen wir noch mal zurück zu EURER eventuell künftigen Wohnung. Ich habe bei der Besichtigung auch ein Video gemacht, das können wir uns beim nächsten Besuch ja mal in Ruhe angucken.“

Mama (as beiläufig as possible): „Jaja, gucken wir uns mal an.“

Ich (beinahe resignierend): „Sie ist sehr schön hell. Drei Zimmer. Eine kleine Terrasse mit ein bisschen Rasen, aber schön umwachsen. Und ganz in unserer Nähe, wir hätten sogar denselben Tiefgaragenzugang. Hört sich das nicht gut an?“

2016-07-24-fortbildung-themenwechsel
Tochter auf Foto-Mission. Mögliche, künftige Terrasse. Viele Konjunktive.

Mama (begrenzt euphorisch): „Jaja, ganz gut.“

Es muss doch etwas geben, womit ich sie begeistern kann?!

Ich (Blitzidee): „Zwei Toiletten, Mama. Bad und Gäste-WC getrennt, stell Dir vor!“

Mama: „Hurra.“

Ich: „Nicht gut?“

Mama: „Doch, doch. Sag mal, hast Du auch von der Prinzessinnen-Taufe in Schweden am letzten Wochenende gehört? Das ist ja ein süßes Puppele*.“

Eins muss ich zugeben: In Sachen Themenwechsel ist sie mir meilenweit voraus. Ich gehe dann mal den Nachhilfekurs buchen.


* Für alle, denen der Begriff „Puppele“ nicht geläufig ist: Meine Mutter ist der weltgrößte Romy-Schneider-Fan, weshalb ich alle Sissi-Filme sowie sämtliche weiteren Werke („Mädchen in Uniform“, „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“, „Die Spaziergängerin von Sans-Souci“, „Swimming Pool“ und wie sie alle heißen, die meisten übrigens sehr empfehlenswert) auswendig mitsprechen kann. Jedenfalls war „Puppele“ von jeher der Kosename von Alain Delon für Romy Schneider, weshalb meine Mutter diesen Begriff für sich konserviert hat, um ihn in angemessener Dosis in ihren Alltags-Wortschatz einfließen zu lassen.

 

 

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